„This is Burma and it will be quite unlike any land you know about” – Rudyard Kipling – Letters from the East, 1898

Samstag Nachmittag, Yangon International Airport. Die Schiebetüre des Toyota Sienna springt auf. Ein halbes Dutzend fein gekleideter Offiziere der Immigrationsbehörde sowie einige Sicherheitsbeauftragte der Flughafenpolizei äugen schief. So sehen sie also aus, die beiden ausländischen Quälgeister, die den Amtskollegen etliche schlaflose Nächte bereiteten. Unzählige Facebook-Posts hatten sie während den letzten Wochen visuell auf das tête-à-tête vorbereitet (verpixelte Portraits von Will und mir beim Einzelverhör, beim Spazieren, beim Bier trinken, beim Brotkrusten grillen). Der Chef der Bügelfaltentruppe reisst das Wort an sich, Augenbrauen im Sinkflug, die satanische Stimme auf Orkanlautstärke. Seine Order komme von oben, wir werden umgehend des Landes verwiesen. Ausgeschafft. Verbannt. Exiliert. Ich schaue zu Will und nicke verständnisvoll, es war eine Frage der Zeit.


Logbuch – Kapitel 1 – Chidwin River


30 ereignisreiche Tage zuvor. Khamti, im Norden von Myanmar. Nicht weit von hier im Grenzgebiet zu Indien, entspring der Chidwin. Eine bräunliche Tunke, die knapp 650 Kilometer südlich rinnt, in den Irrawaddy mündet und weitere 600 Kilometer weiter unten auf das Andamanische Meer trifft. Unser Grobplan scheint nicht verwegen, dennoch ambitiös. Wir wollen Myanmar einmal längs durchschiffen.

Karte FLuss

Niemand soll uns nachsagen, wir hätten uns entsprechend vorbereitet, Abklärungen getroffen, Bewilligungen eingeholt, Ämter bestochen. Im Gegenteil. Unsere jämmerliche Vorbereitungen bestehen aus minimaler Pfadfinderkompetenz, bubenhafter Abenteuerlust und dem Willen das Andamanische Meer zu erreichen. Das muss vorerst reichen. Gut gelaunt durchforsten wir das Flussufer nach potentiellen Booten und Verhandlungspartnern. Die Barken, welche hier vor Anker liegen, sind nicht vergleichbar mit dem Fiberglas-Prunk, der durch die Wasserwege Europas oder Australien schaukelt. Das Angebot passt jedoch perfekt zu unserer Anforderungsliste; Einige Holzbretter, die einst gesägt und zusammengenagelt nach dem archimedischen Prinzip schwimmtauglich sind. Darüber hinaus Hohlraum für etwas Cargo und einen Motor zur einfacheren Fortbewegung (über Komfort-Upgrades werden wir innerhalb der nächsten Meetings entscheiden). Wir schnappen uns einen Fischer, der gerade sein Garn sortiert und deuten auf sein eingemottetes Hab und Gut. „Sehr geehrte Damen und Herren, gerne würden wir ihr Boot kaufen“, offenbart mein abgewetztes Zettelchen in burmesischer Sprache. Unser Gesprächspartner lächelt freundlich. Und alarmiert die Immigrationsbehörde.

Formelle Gespräche trudeln bis spät in die Nacht. Mehrmals verweisen wir auf unsere nautischen Erfahrungen als Bootskapitäne im Amazonas und dem Kongo. Die Verhandlungen scheitern trotzdem. Vielleicht weil niemand in Khamti je von einem Amazonas oder dem Kongo gehört hat, vielleicht aus berechtigtem Misstrauen unserer Fähigkeiten. Zu heimtückisch seien die Flussströmungen. Überall lauern fiese Sandbänke bevölkert mit unberechenbaren Dieben, die zu allem bereit seien. Zu „unserer eigenen Sicherheit“ werde unser Begehren abgelehnt. Wir versprechen somit kein Boot zu kaufen, fahren zum südlicher gelegenen Schiffslände in Homalin und kaufen eins.

U Win Boo schaut erst etwas perplex. Zwei weisse Landratten stehen gerade neben seiner Schaluppe und fachsimpeln in einer fremder Sprache. Ein Zettel wechselt die Person. Ein Fächer mit Kyat-Noten wedelt im Dunst. Sein Interesse ist geweckt, U Win Boo besorgt einen Taschenrechner und tippt einige Zahlen. Das gefällt, einfacher könnte ein Deal nicht sein. Wie würde das wohl in der Schweiz aussehen? – Tatort Hinterpfuffingen im Emmental, zwei dubiose Myanmaren tauchen auf dem Hof eines Bauern auf, zeigen auf den ramponierten Subaru Justy. „Will Auto kaufen“, locken die verschmierten Buchstaben auf ihrem Papierfetzen. (Der Autor geht davon aus, dass kein Deal stattfinden würde.)

Aus Angst, dass unser Gefährt den Aufprall einer Champagnerflasche nicht überleben würde, verzichten wir auf die Taufe. Ausserdem wäre es schwierig in Homalin eine Champagnerflasche aufzutreiben. Es folgt eine einminütige Schnellbleiche über die Bedienung eines chinesischen Bootmotors sowie eine Testfahrt. Will steuert und erkennt zu spät, dass eine Linksbewegung des Steuergriffs das Boot nach rechts wendet. Er erkennt ausserdem, dass ein Boot keine Bremse hat. Mittels Zickzackkurs düsen wir ungebremst in ein geparktes Boot, ich fliege theatralisch über den Bug in eine Mischung aus Matsch und Wasser. Wortlos nicken wir uns zu und verduften.

Easy zeigt er sich uns, der Chidwin River. Mit fünf bis zehn Knoten dümpeln wir durch das Feucht, ernten Handwedler, hochgezogene Mundwinkel und euphorische Zurufe. Zwei Ausländer mit eigenem Boots und asiatischen Kegelhüten scheinen rar in dieser Gegend. Zu dieser Jahreszeit liegen die Sandbänke brach. Den Kapitänen ist Vorsicht geboten. Auf dem Bug der Lastkähne und Passagierfregatten kauern Bootsjungen, die mittels Bambusrohren den Fluss abstochern um ungewolltes Verweilen zu verhindern. Dorfbewohner ziehen provisorisch auf die freigelegten Sandhaufen um zu fischen, Gemüse anzupflanzen oder illegal Gold zu schürfen. Romantisch anmutende Dörflein zieren die Ufer. Wir parken unser Gefährt für den ersten Landgang zwischen einigen Hausfrauen, die unbeeindruckt ihre Siebensachen und sich selbst waschen. Was während der Trockenperiode das Lebensquell vieler ist, verwandelt sich während der Monsunzeit nicht selten in ein Desaster, erklärt uns der Primarschullehrer Ne Shi Win. Der Wasserpegel steigt gerne um zehn Meter an. Sein Dorf werde regelmässig überflutet. Letztes Jahr stieg das Wasser bis in den zweiten Stock, Verwandtenbesuche waren nur noch per Boot möglich. Wir sammeln einige Notwendigkeiten, schütteln Hände und drücken unser Boot zurück in die Strömung. Die erste Sandbank fängt uns ab. Will gibt Anweisungen von der anderen Seite der Kommandobrücke. Was kaum hilft, denn die Sandbänke sind unberechenbar. Systematisch waten wir das Wasser ab, um knietiefe Flecken aufzuspüren. Dort werden wir das Boot hinziehen. So plätschern einige Tage dahin. Fahren, steckenbleiben, aussteigen, drücken, ziehen, einsteigen, fahren, steckenbleiben etc. – Kein Grund zum jammern, denn ohne die Sandbänke wäre unser Vorhaben wohl zum Scheitern verurteilt. An jeder Ecke bieten sich Möglichkeiten für unser provisorisches Zuhause, bestehend aus fünf zugesägten Bambusrohren, Plachen und einer ambulanten Kombüse.

Dämmerung bricht ein. Einige Kilometer vor dem Städtchen Kalewa gehen wir vor Anker. Die Abende am Lagerfeuer sind idyllisch, die Gesprächsthemen vielseitig. Wir debattieren über die ökonomisch sinnvolle Fahrtgeschwindigkeit auf Basis unseres Benzinvorrats, tauschen Abenteuergeschichten und planen die kulinarische Diversität für die kommenden Tage. Das Flussleben motiviert mich, den Fischfang anzugehen. Meine Technik scheint die Fischwelt jedoch eher zu amüsieren als zu ängstigen. Als ich den letzten Hühnerdarmballen an den Haken meiner selbstgebastelten Rute hänge, setzen sich einige Fischer zu uns ans Feuer. Die Kommunikation harzt. Unser Dialog besteht aus Orte stottern, in Richtungen zeigen, mimen, malen und skeptische Blicke austauschen. Taschenlampen flackern in der Ferne, geschätzte zwei Dutzend Landwirte sind auf dem Weg zu uns. Einige in Booten, einige zu Fuss, die meisten gewappnet mit Macheten. Erneut Orte stottern, in Richtungen zeigen, mimen, malen und skeptische Blicke austauschen. 30 mehr kommen dazu. Der kleine Einlass am Flussufer ist nun überhäuft mit 50 neugierigen Landsleuten, zwei grossen Lagerfeuern, Will und mir. Die Situation wird etwas ungemütlich, unsere Rucksäcke wollen sie filzen. Aus reiner Neugierde. Da die Party weder abhebt noch verpufft, gehen wir schlafen. Bis einige Lichtstrahlen unsere hundemüden Gesichter penetrieren. Herren der Immigrationsbehörde stellen sich vor. Wir befinden uns in einer „Restricted Areas“. Die Liste der Sperrgebiete in Myanmar ist ellenlang. Viele davon sind Überbleibsel der harschen Vergangenheit, einige davon ernst zu nehmen. Letztere sind mir bekannt. Dieses Sperrgebiet ist jedoch weder reich an Juwelen, noch streiten sich hier ethnische Minderheiten mit der Armee. Trotzdem werden wir gezwungen unser Boot in der Dunkelheit nach Kalewa zu steuern, eskortiert von einem Beiboot. Um so wenig zu rammen wie möglich, fuchteln unsere autoritären Passagiere wild mit ihren Taschenlampen. – Ein Gefühl, das anstrengt und sofern gemeistert, reich macht.

Tags darauf rücken wir wieder aus und beschliessen einstimmig, ab sofort unsere Schlafplätze sorgfältiger zu wählen. In Marschfahrt erkunden wir die Umgebung, schiffen ein, streifen durch ein Dorf und stossen sogleich auf Neugierde. Auf die Neugierde der Dorfpolizei. Dankend lehnen wir das Angebot zur Prüfung unserer Pässe ab und retten uns zurück auf den Fluss. Etwas südlicher haben wir mehr Erfolg, man begegnet uns zuerst mit blanker Skepsis, dann mit einer unerreichten Gastfreundschaft. Grossmutter lädt zum Mittagessen. Alles was Beine hat, kommt herbei gerannt um zu sehen, ob die beiden Ausländer das Essen mögen und wie viel wohl so in einen fremden Magen passt. Jeder bringt ein Schälchen Gemüse, Kuchen oder was für die Weiterreise. Geschätzte zwanzig Augenpaare sind direkt auf uns gerichtet, ausgenommen dasjenige einer Hundertjährigen, welches sich hinter einer gleichschenkligen Zigarre versteckt. Je älter die Dame, desto gigantischer die Zigarren, wird uns erklärt. Wie so oft sind wir die ersten ausländischen Gäste und wohl auch für lange Zeit die Letzten. Auf einer versteckten Sandbank schlagen wir unser Camp auf. Einige Fischer setzten sich zu uns. Wir ahnen Böses. Doch die Situation sieht heute anders aus. Engagiert helfen wir dabei ihre Netze einzuholen. Netze voller Flussgetier, das mittels Elektroschocks aus einer Autobatterie hingerichtet wurde. Wir tauschen Wortfetzen und Bier gegen Riesengarnelen.

Der Morgen ist erneut kühl und neblig. Routiniert kneten wir unseren Brotteig und begutachten dabei das Flussleben. Und das Flussleben beobachtet uns. Boote schwirren vorbei, Netze werden ausgeworfen, Eisvögel warten schwebend auf schuppige Beute, allzeit bereit für einen blitzschnellen Sturzflug – Ein Idyll fernab vom Chaos der Städte. Erneut legen wir unser durchschnittliches Tagespensum von 60 Kilometer zurück. Die auserkorene Sandbank für den heutigen Abend macht einen friedlichen Eindruck. Vorerst. Bis eine Horde Taschenlampen vom gegenüberliegenden Ufer aufflackern und Bootsmotoren angeworfen werden. Um die 30 Nachbarn kommen zu Besuch. Dieses Mal bringen sie sicherheitshalber neben Macheten auch einige Speere. Man wünscht sich Jacky Chan, Chuck Norris oder Bruce Lee, am besten alle drei. Vielleicht war heute der falsche Tag um eine Piratenflagge zu basteln. Vielleicht war es aber auch nur ein Fehler die Piratenflagge gehisst zu lassen. Einige unserer Gäste mustern sie gerade ausgiebig, andere wärmen sich angespannt am Lagerfeuer und nicht wenige checken die neuesten Facebook-Posts. Nachdem unsere Sachen durchsucht wurden und wir für eine gestellte Portraitserie hinhalten mussten, spuckt uns die Meute ihren Sprecher entgegen. Wir spielen „Satzpartikel raten“. Und verlieren alle. Unser Gegenüber zeichnet ein Wort in den Sand – „Gold“. Das haben wir nun davon, mit einer Piratenflagge durch Gebiete zu rauschen, wo diverse illegale Goldgräber sowie ominöse Konzerne ihr Unwesen treiben. Da wir weder Edelmetalle noch Schürfmaterial verstecken, gehen wir im Guten auseinander, ohne das jemand über die Planke geschickt wird.

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Logbuch – Kapitel 2 – Irrawaddy River


Aye, neuer Tag, neues Glück. Wie vermutet, erreichen wir die Kreuzung wo der Chidwin und der Irrawaddy zusammenlaufen. Wie vermutet, herrscht reger Verkehr. Wie vermutet, haben auch all die anderen Boote keine Bremsen – Im Vorfeld hatten wir die Bootsrolle (Plan zur Organisation der Sicherheit an Bord) folgendermassen definiert:

Hilfe zur Entscheidungsfindung für Hobby-Piraten falls sich zwei oder mehrere Wassergefährte mit zu hoher Geschwindigkeit nähern sollten.

  1. Umgehend hart Steuerbord abdrehen
  2. Das Boot verlassen und den Fall der Versicherung überlassen
  3. Auf das entgegenkommende Bootsdeck springen (sofern dieses grösser ist), „Harrrrr“ johlen und mit räudiger Mine die Passagiere ausrauben
  4. Ausflippen und schauen was passiert

Als uns noch zwei Meter von dem vorbeidüsenden Passagierschiff der Regierung trennen, flippen wir aus und schauen was passiert. Was, wie vermutet, wenig hilft. Holz splittert, die Piratenflagge flattert zersaust, wir verlieren einen Zehntel des Boots. Nichts, was ein guter Schreiner und ein Psychologe nicht in den Griff bekommen könnten. Wir trinken einen auf Rasmus, einen auf Poseidon und einen auf Neptun. Kurz vor dem historischen Bagan gibt unser Motor endgültig auf. Wir beschliessen unser Abenteuer für etwas Boots-Orthopädie in Myanmars Tempelstadt zu unterbrechen. In der Marina von Bagan treffen wir auf einen Typ Mann, der an die Schurken aus James Bond Filmen erinnert. Er versteckt seine Trunkenheit hinter einer Pilotensonnenbrille und übersetzt für den Mechaniker Mae Son. Ein Schlitzohr mit jahrzehntelanger Schlitzohr-Erfahrung. Es sei der Vergaser, vielleicht der Kolben, oder die Ringe? Die meisten asiatischen Mechaniker verstehen ähnlich viel von Motoren wie Strassenfeger von Hedgefonds. Sie reparieren nach dem Konzept „Trial and Error“ (Duden: „Versuch und Irrtum“ – eine heuristische Methode, Probleme zu lösen, bei der so lange zulässige Lösungsmöglichkeiten probiert werden, bis die gewünschte Lösung gefunden wird. Dabei wird oft bewusst auch die Möglichkeit von Fehlschlägen in Kauf genommen. In der Umgangssprache bezeichnet man diese Vorgehensweise als „Ausprobieren“). Aus geplanten zwei Tagen werden acht. Mittlerweile haben drei verschiedene Mechaniker erfolglos „ausprobiert“. Zweimal wurden wir von anderen Booten zurück nach Bagan abgeschleppt. Nach der letzten Reparatur stockt der Motor nun erneut, Öl leckt aus allen Löchern. Wir befinden uns knapp zwei Fahrtstunden entfernt von Bagan in der Mitte des Irrawaddy, ohne Antrieb. Wir paddeln, weg vom Mechanikerdilemma, weg von falschen Versprechungen, weg von bequemen Gasthausbetten. „Haarrrr, das Flussleben hat uns wieder!“

Zur Bildgalerie von Bagan

Die Strömung pirouettiert uns nach Süden zu einigen Bambusverhauen. Ein Dorf ohne Namen. Wir dürfen unser Camp am Flussufer aufschlagen und arrangieren einen Abschleppservice für den nächsten Tag nach Chauck. Einige Kinder kommen vorbei, bewundern unsere Kochkünste und testen unsere improvisierten Betten. Ich bastle ihnen ein Drum-Kit aus Geschirr und Töpfen. Während wir ein Trommelkonzert veranstalten, parkt nebenan eine Barke gefüllt mit vier Bossen verschiedener Dörfer und ihren Trägern. Sie schleppen Feuerholz, einige Bambusmatten, eine Stehlampe und eine Autobatterie. Ein lässiger Chat bahnt sich an. Das Buschtelefon habe sie informiert, dass komische Ausländer an ihren Ufern irren, so seien sie vorbeigekommen um uns willkommenzuheissen. Wer nach Lebenslust fahndet, scheint auch hin und wieder belohnt zu werden.

Die Sonne knallt. Sie Knallt auf die 30 Leute, die sich in ein viel zu kleines Boot zwängen, knallt auf die goldenen Spitzen der Pagoden, knallt auf uns, uns die gerade wieder einmal abgeschleppt werden. Für Piraten werden wir ziemlich viel abgeschleppt. Das muss aufhören. Also spähen wir nach einem neuen Motor in Chauck. Kein Ort um zu verweilen, ein Ort um einzukaufen. Ich liebe Myanmars rustikale Marktszenen. Emsige Weiber verscherbeln Betelnüsse, Blumen oder stinkenden Dörrfisch. Mit britischer Eleganz werden die Einkäufe auf dem Kopf nach Hause befördert; ein Bund Rüben, Körbe mit Allerlei, !ein Fahrrad!. Zwei Stunden später sind wir motorisiert und startklar.

Unser Boot verdient einen Namen, da sind wir uns schon länger einig. Nach diversen Sitzungen auf höchster Ebene des bärtigen Vorstands, beschliessen wir unseren holzigen Gefährten „River Pirate“ (Flusspirat) zu taufen. Admiral Will wehrte sich erfolgreich gegen meinen Vorschlag, das Boot „Granny“ (Grossmütterchen) zu taufen. Granny hätte perfekt gepasst, denn der Rumpf leckt, das Skelett knackst, der Anlasser hustet, der Gashahn hinkt, der Tank vibriert und notabene werden wir ständig von allen anderen Verkehrsteilnehmern überholt. Mein Favorit „Mayday“ (internationaler Notruf) wurde auch abgelehnt. Mayday wäre ein idealer Name, denn wir pirouettieren ungewollt, rammen gelegentlich andere Flussfahrzeuge und stecken einen Grossteil unserer Reise auf Sandbänken fest. „Flusspirat“ weicht etwas von der Realität ab. Echte Freibeuter würden während ihren Bootstouren kaum Emails checken oder ihre gemarterten Beine mit Feuchtigkeitscreme einreiben. Ausserdem werden wir mehr abgeschleppt als das wir abschleppen und das Einzige was wir klauen, ist sprödes Feuerholz.

Erneut bekommen wir Gesellschaft zum Abendessen. Zwei junge Fischer setzen sich zu uns und warnen vor der Armada an Schlangen, die pünktlich um vier Uhr morgens aus der Böschung hinunter zum Wasser schlängeln. Unser Zelt stehe ihnen dabei im Weg. Um dem ganzen Nachdruck zu verleihen, demonstrieren die beiden wie gereizte Schlagen in unserem Zelt umherschiessen und alles beissen, was nicht zur Sippe gehört. Mit dieser Vorführung in Gedanken schlafe ich ein. Und wache wieder damit auf.

Zum täglichen Dorfbesuch. Drei dicke Mönche mittleren Alters sitzen im Klostersaal und laben sich gerade an 20 Tellern, randvoll gefüllt mit Gaben ihrer tiefgläubigen Schäflein. Will und ich tauschen verdutzte Blicke aus. Das Dorf ist ziemlich heruntergekommen, niemand scheint ein üppiges Leben zu führen. Die Selbstversorger krüppeln sich krumm und laden täglich Spenden bei den ausgebeulten Roben ab. Genau jetzt, genau hier in diesem Raum zeigt sich die Schattenseite des Buddhismus, der immer mehr zum Götterkult wird. Die Selbstkompetenz wird bequem mittels Almosen ausgelagert, das Trio nimmt dankend an. Ein Bild, dass sich in meiner Grosshirnrinde einbrennen wird.

Auf einer (scheinbar) einsamen Sandbank schlagen wir unser Camp auf. Rechtzeitig zum Abendessen gesellt sich ein unüberschaubarer Haufen an Dorfbewohner zu uns. Übliche Bewaffnung, übliche Kommunikationshürden. Wir erhalten eine mündliche Genehmigung eine Nacht auf „ihrem Sand“ zu verbringen. Zwei Stunden später besuchen sie uns erneut, aktivieren ihre Taschenlampen jedoch erst wenige Meter vor unserem Camp ein. Wir schalten auf Alarmstufe „orange“ (generelle Achtsamkeit) und hoffen Alarmstufe „rot“ (Camp aufgeben und flussabwärts schwimmen) vermeiden zu können. Ein Bootsmotor tuckert in unsere Richtung. Er gehört vier betrunkenen Polizisten, die ihre Autorität mittels Handschellen-Schwingen untermauern. Alarmstufe „dunkelorange“. Per Funk klären sie ab, wie sie mit zwei ausländischen Bootskapitänen umgehen sollen, die ihre Visa überzogen haben und im Garten einer aufgebrachten Meute übernachten. Anscheinend weiss niemand im Hauptquartier einen Rat. So entscheiden sie sich zu bleiben, offerieren Whiskey und präsentieren uns einige Mobile-Videos ihrer tanzenden Töchter. Ich schaue hoch zur Milchstrasse und erspähe augenblicklich eine Sternschnuppe. „Impermanence“ – nichts ist beständig, hat man mir in Yangon beigebracht. Was für das Universum, Atome und die Menschheit gilt, gilt auch für unsere biedere Situation. Drei Stunden später sind wir wieder zu zweit. Wir lernen täglich dazu. Ab sofort suchen wir früh genug nach kompetenten Ansprechpartner um über das Bleiberecht zu verhandeln. Das klappt prima. Vis-à-vis dem Städtchen Kanaung treffen wir auf Komon Le und seine Fischerbande. Bereitwillig bauen sie unser Zelt direkt neben ihren Strohhütten auf, füttern uns mit marinierten Fischköpfen und integrieren uns in ihr Nomadenleben. Bis vor 2011 hatte Komon Le sowie hunderttausende andere Myanmaren noch das Schlimmste zu befürchten. Um Chinas Westen mit Elektrizität zu speisen und dabei ordentlich die Kassen korrupter Generäle zu füllen, wurde das Myitsone Dammprojekt gestartet. Ein Stausee von der Grösse Singapurs. Ein schlafender Drache, denn der Irrawaddy gilt als die Lebensader des Landes. Aufgrund heftiger Proteste sowie Attacken auf die Bauarbeiten, wurde das Projekt auf Eis gelegt. Es hätte das Flussleben so vieler unserer neuen Sandkollegen komplett auf den Kopf gestellt.

Ein verzwickter Tag ist zu erwarten. Gemäss Navigationssystem erreichen wir demnächst die Kreuzung zum Nebenarm des Irrawaddy, der uns über hunderte Verstrebungen nach Pathein im Flussdelta bringen soll. Niemand konnte uns mit Sicherheit sagen, ob dieses Vorhaben während der Trockenzeit möglich ist, da die Gezeiten über Erfolg oder Scheitern entscheiden. Wir gondeln vor der Mündung und fragen nach. Keiner weiss es, nein halt, jeder weiss es. Simultan werden Daumen nach unten wie oben gereckt. Kurz später landen wir in einer Sackgasse inmitten von Kornfeldern. Koaung Kyaw Oo, Ma Than Twe und Mg Nay Soe lassen uns auf ihrem Ackerland schlafen. Wir verabreden uns für später. Ungefragt bringen Sie uns Maiskolben sowie zwei Tagesrationen Reis und Gemüse vorbei. Zusammen geniessen wir das Feuer und beobachten den Schweif eines vorbeiflitzenden Kometen.

So schnell wollen wir unsere Wunschroute nicht aufgeben. Wir gehen Benzin kaufen. Das ist zumindest der Plan. Ein Dorf voller sensationslüsternen Augen bietet sich an. Nach etwas Marktschlenderei haben wir bereits unzählige Freunde, einige laden zum Saufgelage und Reis mit Fettklumpensauce. Swe Lin setzt sich dazu. Als wir erläutern, wo unser Bootsausflug angefangen hat, schlägt der erfolgreiche U-Boot Ingenieur die Hand vors Gesicht. Einige Kopfschüttler folgen. In lupenreinem Englisch erklärt er uns die Schwierigkeiten bezüglich einer Reise nach Pathein. Wir geben uns geschlagen und entscheiden uns für eine direktere Route zum Andamanischen Meer. Man bietet uns an, die Sandbank nebenan für die Nacht zu nutzen. Eine offizielle Einladung für eine Sandbank ohne die Visite von Immigration, Bauernpöbel oder Polizisten? Hört sich toll an. Betrunken stolpern wir umarmt von unseren Saufkumpanen zum Benzinladen, verteilen einige High Fives und steuern per Zickzack zur kleinen Sandinsel in der Mitte des Irrawaddy.

Eine halbe Stunde später. Zehn Polizisten rücken an. Mr. Kyaw stellt sich vor, ein ehemaliger Offizier aus Myanmars Hauptstadt Naypyitaw. Aus Sicherheitsgründen werden sie uns 300 Meter nördlich eskortieren, zum Schlafprovisorium geschäftiger Bauarbeiter, die gerade per Hand einen Flussarm mit Sandsäcke zustauen. Mr. Kyaw will unsere Geschichte hören, gefolgt von einem Fotoshooting unserer Pässe, erstaunten Gesichtern beim Anblick der abgelaufenen Visa und einigen Selfies. Das reiche dann vorerst. Drei Stunden später blinzeln wir verkatert ihn die LED einiger Taschenlampen. Immigrationsabzeichen funkeln. Wir stellen uns schlafend. Auch sie wollen unsere Geschichte hören, gefolgt von einem Fotoshooting unserer Pässe, erstaunten Gesichtern beim Anblick der abgelaufenen Visa und einigen Selfies. Das reiche dann vorerst. Am nächsten Morgen ziert ein Kettenschloss unseren Bootspropeller. Will und ich diskutieren. Knacken oder verhandeln? Mr. Kyaw kehrt zurück mit fünf Polizisten und hohen Immigrationsbeamten aus Tajin. Sie alle wollen nun unsere Geschichte hören, gefolgt von einem Fotoshooting unserer Pässe, erstaunten Gesichtern beim Anblick der abgelaufenen Visa und einigen Selfies. Dieses mal reicht es nicht. Ein Papier wechselt die Hände.

The Burma Immigration Act, 1947

Conditions for immigration permits, passport, visa and endorsements

  1. Permits and passport visas shall be subject to such conditions as may be prescribed and also to such conditions as may be set out in the permit or visa.
  2. All such conditions shall be deemed to be conditions for allowing the holder of such permit or visa to enter or remain in the Union of Burma, and a breach of any of these conditions shall render the holder liable to deportation from the Union of Burma if the President of the Union so directs.

Kurz zusammengefasst; Leute mit überzogenen Visa können vom Präsidenten von Myanmar jederzeit zum Teufel gejagt werden. Die Fakten sprechen nicht gerade für uns. Wir haben weder eine Bewilligung für den Bootbesitz noch für eine Flussfahrt, ausserdem ist da noch die Visa-Geschichte. Die Lösung liege auf der Hand. Sie würden uns gerne nach Yangon eskortieren in einem bequemen Auto des Beamten, alle entstehenden Kosten auf Rechnung des Staats. Will schlägt Kungfu vor. Ich interveniere – wir sind in karger Unterzahl. Während wir unsere Sachen packen, werden wir erneut ins Zelt der Bauarbeiter geordert. Unerwartet hat sich die Situation während den letzten fünf Minuten zu unseren Gunsten geändert. Wir dürfen weiterfahren. Aber erst nach einigen Selfies mit den Offiziellen. Wir versprechen unsere Visa in Yangon schnurstracks zu verlängern, die Behörden über unseren Aufenthaltsort während den nächsten Tagen zu informieren und nicht den Umweg via Ozean zu fahren.

Wir fahren den Umweg via Ozean.


Logbuch – Kapitel 3 – Delta und Ozean


Bei Maubin wechseln wir in einen Ausläufer des Irrawaddy. Palmen und Bananenstauden ersetzen zusehends Sträucher und Bäume, der Salzgehalt im Wasser steigt, Möwen wuchern. Wir haben das Delta erreicht. Ein guter Zeitpunkt um meine selbstgebastelten Wasserski zu testen. Festgeschnallt auf zwei Kanisterhälften warte ich mit genügend Abstand zum Bootspropeller auf Wills Startkommando. Schon länger habe ich mich auf die Blicke verblüffter Dorfbewohner gefreut, an denen ich elegant vorbeigleiten würde, winkend, bei Bedarf einfüssig. Einige hundert Meter später treibt mein gesamter Körper immer noch unterhalb der Wasseroberfläche. Es bleibt wohl ein verwegener Traum. Da schon länger keine Sandbänke mehr aufgetaucht sind, stellt sich die berechtigte Frage; wo schlafen? Wir gehen fragen. Die Bauernfamilie um Thet Aung gibt uns Unterschlupf. Noch besser, sie stellen uns ihren Nachbarn vor, führen uns mit Stolz durch ihre Reis- und Gemüsefelder und füttern uns ausgiebig.

Dreissigster Tag auf Myanmars Wasserstrassen. Das Andamanische Meer liegt vor uns. Wir beschliessen den ehrwürdigen Moment etwas hinauszuzögern und parken in der Nähe eines Dorfs um die Route nach Yangon zu besprechen. Als wir uns wieder zum Ozean zuwenden, versucht gerade Ziege Nummer eins hinter dem Heck unseres Boots in Ziege Nummer zwei eine Ziege Nummer drei zu machen. Ziege Nummer zwei wiederum versucht Ziege Nummer eins davon zu überzeugen, dass sie nicht bereit ist für Ziege Nummer drei. Die Bewohner von Auk Seik verstehen unsere Situation, vertreiben die Ziegen und helfen beim Zelt aufbauen. Diese Nacht schlafen wir gestaffelt, aus Angst unser gestrandetes Boot an die Flut zu verlieren. Das erste Flutfenster um vier Uhr morgens müssen wir leider ignorieren. Zu Tagesanbruch hat bereits wieder Ebbe eingesetzt. Ein Taxi rollt hinter unserem Boot durch das was vor ein paar Stunden noch Meer war. Erst nach drei Uhr nachmittags steigt der Pegel wieder an. Fischerbötlein schiessen in erstaunlicher Geschwindigkeit an uns vorbei. Um Zeit zu gewinnen, hieven wir den Rumpf mit Hilfe einiger zusätzlichen Hände auf Baumstämme. Eine glorreiche Idee, es knackst mehrmals verdächtig. Das Meer zeigt sich uns heute von seiner fiesen Seite. Wasser spritzt uns entgegen, von links, von rechts, von vorne, von hinten, von unten. Von unten? „Beim Klabautermann, unser Rumpf leckt!“ Will steuert, ich lehne das Boot zur Seite und schöpfe kontinuierlich Wasser aus. Auf einer einsamer Insel nahe dem Festland stopfen wir das Leck und feiern ausgiebig. Unsere Mission ist gelungen. Gegenüber sind einige Ferienhäuschen erkennbar, also besser eine temporäre Aufenthaltsbewilligung beantragen. Hotelmanager Aung Aung sieht uns schon von weitem kommen und ahnt den Ärger. Zu unserer eigenen Sicherheit und gemäss den „Rules und Regulations of Myanmar“ müsse er seinen Chef informieren, aber auch ein Chat mit der Immigrationsbehörde und der !Navy! könne nicht schaden. Wir fliehen östlich und landen im Garten einiger Fischer. Gerade noch rechtzeitig bevor Ebbe eintritt. Auf den Schultern bringen wir unser Material ins Trockene. Der Schlick reicht bereits bis zu den Weichteilen. Waschwasser, Essen und Feuerholz trudelt ein – hier sind Gesetzlose noch willkommen.

Der Ozean ist gespenstisch still, Nebel hüllt uns ein. So sieht das Bermuda Dreieck aus, beschliessen wir unisono. Mit der Küste in Sichtweite fahren wir zur Kreuzung, welche uns nach Yangon weisen wird. Dachten wir. Die austretende Strömung des Yangon River ist brachial zu dieser Zeit. Wir kommen kaum vom Fleck und verlieren dabei einen halben Tank. Während wir einen Liter nachfüllen, werden wir eine halbe Fahrtstunde zurückgetrieben. Nahe der Flussmündung gehen wir vor Anker. Polizei-Hauptmann Aung Kyaw Soe und seine Gefährten (zwei davon mit Sturmgewehren) sowie der Dorfchef nehmen uns herzlich in Empfang. Kurz darauf lümmelt sich auch Hotelmanager Aung Aung mit blutroten Augen dazu. Das hat er nun von seinen „Rules und Regulations of Myanmar“, die ganze Nacht hindurch quälten ihn Telefonate von oben. Der Fall „ suspicion of illegal immigration“ (Verdacht auf illegale Einwanderung) wurde eröffnet. Beim Frühstück will Aung Kyaw Soe unsere Geschichte hören, gefolgt von einem Fotoshooting unserer Pässe, erstaunten Gesichtern beim Anblick der abgelaufenen Visa und einigen Selfies. Das reiche dann vorerst. – Wir erläutern unseren beabsichtigen Bootsverkauf in Yangon. Eine Cash-Cow notabene; Wenige Fahrtkilometer, geringer CO2 Ausstoss, modische Farben – prädestiniert für den Fischfang. Es wäre klug hier und jetzt zuschlagen, für Ordnungshüter gewähren wir ausserdem üppige Rabatte. Aung Kyaw Soe schnappt sich den Dorfchef und versucht ihn zu überzeugen. Erwartungsgemäss scheitern die Verhandlungen mit der Begründung, das unser Boot nicht ozeantauglich sei.

Per Kleinlaster werden wir zum Polizei-Hauptquartier in Kungyangon gebracht. Ein formelles Treffen mit der Immigrationsbehörde stehe an, lässt uns Aung Kyaw Soe wissen und spuckt etwas Betelsaft durch das Gitter. Ich gönne mir gerade mit ein paar anderen Polizisten eine Brunnendusche, als Fahrzeuge der Immigration und der Militärbrigade eintreffen. Oberstleutnant Zaw Min Oo kommt im Schatten von vier Kollegen mit viel zu vielen Abzeichen. Immigrationsguru Thaw Nyain scheucht sein Gefolge von Bürohengsten, Handlangern und anderen Zeitdieben in den Verhörraum. Aung Kaung Htet wird für uns übersetzen, der junge Tausendsassa hat bereits drei Diplome und unterrichtet Englisch an einer lokalen Universität. Die Show beginnt. Wir sind umzingelt von insgesamt !25! Offiziellen irgendwelcher staatlicher Organe. Unzählige Handykameras halten das Ereignis fest, Blöcke werden vollgekritzelt, stapelweise Dokumente ausgefüllt. Aufgrund Informationen des Secret Service sei man achtsam. Es könnte Anschläge geben in Myanmar. Es bestehe der Verdacht, wir könnten IS Terroristen sein. Denn IS Terroristen würden die selbe Route entlang der Küste nehmen und sich auch mit einem kleinen Boot tarnen. So viel hätten wir zumindest schon mal gemeinsam. Ob die fehlende Rasur oder die Piratenflagge uns in die Situation geritten haben?

Es wurde entschieden. Wir erhalten keine Bewilligung den Yangon River zu nutzen, flüstert uns Aung Kaung Htet zu. Dennoch erwarten uns erfreuliche Nachrichten. Polizei und Militär werden zusammen mit dem Dorfchef unser Boot kaufen, zum Einkaufspreis. Ein Angebot, das wir schlecht ablehnen können. Ich setze handschriftlich einen Kaufvertrag auf. Für das Beweisfoto mit dem Geldfächer und den Protagonisten strampelt sich Aung Kyaw Soe wieder von seinem Longyi zurück in die Polizeiuniform. Jetzt ist es also offiziell bestätigt, Myanmaren tragen keine Unterhosen unter ihrem Rock. Kaffe und Kuchen wird serviert – die Stimmung steigt. „Es wäre für uns Zeit zu gehen, wir hätten noch diverses zu erledigen“, werfe ich in die Runde. Keine Antwort. Thaw Nyains Telefon klingelt. Order aus Yangon. Wir stehen auf unbestimmte Zeit unter „Hausarrest“, auf Kosten der örtlichen Polizei. Unser Übersetzer Aung Kaung Htet meint wörtlich: „that’s just ridiculous“ (lächerlich). Eine Eskorte bringt uns zu einem schäbigen Gasthaus etwas ausserhalb. Neben uns steigen noch einige Kakerlaken hier ab sowie zwei Wachmänner, die zur allgemeinen Sicherheit positioniert werden.

Etwas mehr Protokolle können kaum schaden. In Begleitung eines Grüpplein eifriger Polizisten wird Aung Kaung Htet wieder angeschleppt. Hollywood hat ganze Arbeit geleistet, uns erwartet ein Einzelverhör. Anscheinend ein Gummibegriff für die hiesige Polizei. Ich werde verhört und Will sitzt knapp zwei Meter neben mir auf dem Boden. Der Interviewer vergleicht erstaunt unsere deckungsgleichen Aussagen. Aung Kaung Htet schüttelt berechtigt den Kopf. Auf meinen Wunsch fährt mich ein gelangweilter Wachmann zum nächsten Bierladen. Polizist sein, hat offensichtlich gute Seiten. Der Ladenbesitzer wird forsch aus dem Bett geklopft um vier Flaschen Andaman Bier auszuhändigen. Da hilft kein Murren, sonst droht auch ihm eine Verhörserie.

Glücklicher Morgen. Die Zeichen stehen gut heute nach Yangon reisen zu dürfen. Aber erst nachdem die Herren der Immigrationsbehörde und natürlich Aung Kaung Htet nochmals ein paar Fragen mit uns durchgehen. – Danke Grossbritannien. Danke, dass du Myanmar eine saubere Bürokratie geschenkt hast. Eine Bürokratie, die Papiere am Laufband produziert, welche kurz darauf in der Remise der Ewigkeit verschwinden. – Nach einem ausgewogenen Frühstück mit Oberstleutnant Zaw Min Oo und einigen Militärs sind wir startklar. Aung Kaung Htet erklärt uns den Sachverhalt; Wir dürfen nach Yangon, uns frei bewegen und morgen eine Visumverlängerung beantragen. Ein Minivan des Typ Toyota Sienna fährt vor.

Zur Bildgalerie vom Irrawaddy und dem Dasein zweier erfolgloser Flusspiraten

Wer an der Küste bleibt, kann keine neuen Ozeane entdecken. Magellan

Danke Will Ladson. Ohne dich, mein Piratenbruder, wäre dieses Abenteuer nicht möglich gewesen.

 Irrawaddy River-82

3 Kommentare

  1. Hallo ihr zwei Piraten habe grad eueren Flussfahrt Report gelesen sitzend auf der Klobrille mit Rufen von Judy , bist du runtergefallen, da die Erzählung so spannend war gab ich keine Antwort. Ich sehe euch bildlich vor mir wie in einem Film und euer Mut hat mich amüsiert Grüessli Alex

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