Tierliebhaber und überzeugte Vegetarier aufgepasst! Nichts für schwache Nerven. Nachdem ich das gut behütete Tierparadies Galapagos erforscht habe, bin ich bereit für harte Kost und breche auf nach Saquisili, ein Andendorf südlich von Quito. Scheinbar unschuldig. Ausser frühmorgens jeden Donnerstag, dann verwandelt sich die kleine Gemeinde in einen betriebsamen Viehmarkt. Einheimische von überall strömen hierhin um die besten Happen zu ergattern. Eine Armada indigener Bauern reist auf vollgefüllten Sattelschleppern an. Einige wären wohl besser Feldherren geworden, lautstark wird Ausschau nach neuen Besitzern gehalten. Emsig werden Kühe, Ziegen, Schweine, Hühner, Hasen, Katzen, Hunde, Lamas ja sogar süsse Meerschweinchen gehandelt. Es wird gemeckert, geblökt, gequiekt und geschnattert. Ein Lamm kann kostengünstig für 50 Dollar erstanden werden, ein prächtiger Eber kostet da schon 120 Dollar. Kätzchen werden für lumpige 2 Dollar verscherbelt. Soll ich nun ein Kätzchen oder eine Melone kaufen? Ich stelle mir vor, wie bequem es wäre, auf einem Lama die Welt zu umrunden. Zwei junge Lamas werden mir zum Schnäppchenpreis von 170 Dollar angeboten.

Der Geruch ist vielseitig und abwechslungsreich. Ich bummle gemächlich durch die farbenfrohen Märkte. Dass gegrillte Hühnerfüsse mit Mayonaise keinen Absatz finden, hätte man ahnen können. Därme, skurrile Würste und undefinierbare Spiesse sind beliebt. Ich gönne mir ein Glas ab Euter gezapfte Geissenmilch, unerwartet köstlich. Auch an frischen Früchten und Gemüse mangelt es nicht. Ich ersteigere mir eine ganze Bananenstaude für 50 Cent.

Zur Bildgalerie von Saquisili

Ecuador besitzt etliche Resourcen. Neben Erdöl, Gold, Fischen, Kaffee, und Kakao behauptet sich die kleine Nation nach wie vor trotz hochrangiger Konkurrenz in Lateinamerika an der Spitze des Welthandels als grösstes Bananenexportland. 30 verschiedene Sorten werden angebaut. 5 Monate reifen die Bananen bis die grünen Fruchtstände von den Stauden entfernt und zu den Häfen (vor allem Guayaquil) transportiert werden. Erst auf den Frachtschiffen erhalten die Bananen dann die nötige Süsse.

Die Banane das meist gegessene Nahrungsmittel hinter Reis, Milch und Weizen. Die US amerikanische United Fruit Company (mächtiger als viele Nationen) hatte den Bananenboom schnell erkannt und machte es sich zügig als Investor neben Mittelamerika auch in Kolumbien und Ecuador gemütlich, diktierte die Preise und erwirtschaftete rasant dicke Kohle. Kleine Plantagen konnten mit den niedrigen Verkaufspreisen kaum konkurrieren, schnell wurden kritische Stimmen laut. Auch Ernesto „Che“ Guevara war der „Oktupus“ ein Dorn im Auge. Er ging bewaffnet gegen sie vor, bevor er sich kurz darauf Fidel zur Befreiung Kubas anschloss. Wir kennen die selbe Firma heute als Chiquita Brands International.  Ein globales Thema und allemal interessant etwas darüber zu wissen. Politische Machtspiele zwischen den USA und Südamerika gab es schon lange, und das ist eines seiner blutigsten Kapitel.

Otavalo gilt nun meiner Aufmerksamkeit. Die Otavaleños sind international bekannt für ihre Webwaren, Textilien und anderes Kunsthandwerk. Deren Herstellung und weltweiter Handel verhalf vielen Otavaleños zu Wohlstand, sie gelten heute als die wohlhabendste Ureinwohner-Ethnie in Lateinamerika. Mädels von jung bis alt präsentieren täglich stolz ihre Tracht. Aufwändig bestickte Blusen, lange schwarze Röcke sowie modische Hüte (vielfach geschmückt mit einer Pfauenfeder). Auch das männliche Geschlecht folgt dem Brauchtum und putzt sich mit farbigen Gürtelbändern und bestickten Hemden heraus. Sogar der Präsident, obwohl nicht von Otavalo, trägt immer wieder jene Tracht, um Verbundenheit mit den indigenen Völkern zu demonstrieren. Ich stelle mir vor, wie vertrauenserweckend unsere Bundesräte in appenzellischen Gewändern wirken würden.

Satte grüne Agrarflächen und drei aktive Vulkane umzingeln das Städtchen. Ich umwandere den schönen Kratersee Laguna Cuicocha nahe dem Andendorf Quiroga und geniessen die abwechslungsreiche Pflanzenwelt. Samstags findet in Otavalo Südamerikas grösster Markt statt. Meine Augen wandern von farbigen Stoffen zu bunten indigenen Outfits, zu Indianerfederschmuck, zu kitschigen Accessoires, zu Hutware und schlussendlich zu einem Scharlatan der den einfachen Bauern wortreich sein Anti-Blähungen-Elexir andreht. Reizüberflutung pur! Ich besuche den traditionellen Hahnenkampf. Die Trainer richten die Köpfe ihrer gefiederten Schützlinge gegeneinander. Die Gockel starren sich an, eine intensive Wut scheint sie zu befallen. Bekanntlich gibt es ja nur einen Hahn im Korb. Das Gemetzel beginnt! Schnabel um Schnabel, Kralle um Kralle. Ein Kratzer hier, ein Pick da, Federn fliegen während die Menge wettet und tobt. Bis maximal zehn Minuten dauert so ein Todesduell. Bereits für 50 Dollar erwirbt man einen kampflustigen Hahn. Eine spannende Einnahmequelle falls dieser mehrere Siege einfährt.

Zur Bildgalerie von Otavalo

Zurück in Quito, wichtigste Stadt der Incas neben Cusco, Peru. 0°0’0″ Mitad del Mundo. Der 0-Punkt wurde vom Franzosen Charles Marie de La Condamine 1736 ziemlich exakt ausgemessen. Seit GPS und genauerer Ermittlung mittels Militärkoordinaten weiss man jedoch, dass die Mitte der Welt etwa 240m weiter nördlich verläuft. Viele Unwissende besuchen weiterhin freudig das grosse Wahrzeichen mit seinen zahlreichen Souvenirländen und Restaurants. Rein zufällig hingegen entdeckte ein Gleitschirmflieger in der Nähe der Mitad del Mundo auf dem Berg Catequilla die Überreste eines Bauwerks aus der Präinkazeit, das tatsächlich den Äquator markiert und bereits vor über tausend Jahren errichtet wurde. Die versteckte, aber richtige Hemisphären-Grenze bietet mehr Infos und spannende Experimente. Man staunt, lediglich zwei Meter voneinander entfernt fliesst das Wasser in unterschiedliche Richtungen ab. Corioliskraft oder Schabernack? Diese Frage wird mir beantwortet von jemandem, der es wissen muss, dem pensionierten Lehrer für Naturwissenschaft, Hansueli Stünzi.

Zur Bildgalerie von Quito

Mit einem weinenden Auge verlasse ich Ecuador – Tränen der Vorfreude für das schöne Brasilien und Rio de Janeiro.

2 Kommentare

  1. Guete Morge liebe Claudio, han gester Abig no DIni Lektüre glese und Fotos aglueget, ganz gewaltig wie doch die Märkt immer no en Treffpunkt und Handelsplatz bliebe sind au die Hahnekämpf sind sicher e alti Tradition, aber am beste gfallt mir s Bild vo Dir, es berührt mis Herz und wenn ich dich zkurz han lueg ich dini Bilder a und lese Dini Bricht, es isch schön das Du mich so losch teilha a Dinere Reis, ganz liebi Grüessli und e tolle Zit in Brasilien s’Mami

    Gefällt mir

    1. do wird mer jo grad melanchonisch;-) danke dir. die märkt sind es highlight und vor allem die fründliche und neugierige mensche. e spezielli erfahrig; traditionell, ursprünglich, gar verzaubernd. han lust uf me! bin gspannt was brasilie mir bütet.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s