Galapagos Inseln, Ecuadors Faunawunder. Ehemaliges Piraten-Schlupfloch, Heimat hunderter Lebewesen, Welthauptstadt der Biodiversität und Charles Darwins Inspiration zur Evolutionstheorie. Diverse Kapitel von „Die Entstehung der Arten“ wurden von dem Galapagos-Archipel beinflusst. Ich bewundere übrigens jeden, der bis zum Ende dieses 450 Seiten schweren, in altdeutsch verfassten Naturforscher-Schinken vom Sherlock Holmes der Tierwelt durchhält. Ich bin ungefähr in der Mitte gescheitert. Wer so viel Geduld mitbringt für die Erforschung und Analyse von Tierarten wie Seidenwürmern, Finken, Alpen-Schneehühnern und Purzeltauben, verdient definitiv meinen Respekt. Wer will schon nicht mit verschmusten Seelöwen schwimmen oder am feinsandigen Strand riesige Leguane kraulen?! Galapagos ist der Traum eines jeden Reisenden und ich bin mittendrin. Oder besser gesagt kurz davor. Vor Ort buchen sei auf jeden Fall besser und um einiges günstiger, wird mir euphorisch von anderen Urlaubern sowie Freunden versichert. Aber nicht kurz vor Ostern. Das ganze Verhandlungsgeschick nützt wenig, wenn es kein Angebot mehr gibt. Erfolglos quäle ich mich durch den Reisebüro-Bazar. Mein Dank geht an dieser Stelle an ein Paar, das am gleichen Nachmittag eine 4-Tages-Bootstour abgesagt hat. Gemäss meinen Nachforschungen die allerletzte Gelegenheit, und das zum Last-Minute Preis. Schiff ahoi. Anstatt auf dem erhofften Luxus-Katamaran, kuttere ich nun auf einer rostigen Schaluppe durch den Pazifik. Meine Kajüte ist so gross wie eine Besenkammer. Der Koch jongliert auf engstem Raum und zaubert dennoch jeden Tag ein Festmal. Dürfte ich Gault Millau Punkte vergeben, er würde bestens abschneiden und sogar einen Bonuspunkt für widrige Umstände erhalten. Begleitet von 10 weiteren erlebnishungrigen Globetrottern erkunde ich die Inseln Isabela, Santa Cruz, Española und Fernandina. Das Galapagos-Archipel ist ein wahres Tier-Kaleidoskop. Vorhang auf! Unzählige Dinosaurier-Nachfahren in allen Farben wärmen ihre Leiber auf dem warmen Boden während Pelikane im Sinkflug Fischhappen stibizen. Blaufuss- und Nazcatölpel tapsen friedlich durch die trockene Landschaft. Stachelrochen üben Rückwärtssalti über den brechenden Wellen, anscheinend ein Balzritual. Dunkles Vulkangestein lässt die rotorangen Krabben intensiv leuchten. Was für ein anmutiges Schauspiel, 80 jährige Riesenschildkröten kriechen im Zeitlupentempo durch die weitflächigen Reservate, tausende von ihnen werden hier alt. Kino zum anfassen, es wimmelt geradezu von unscheuem Getier. Es scheint, als ob die Seelöwen hier eines Tages das Ruder übernehmen würden, sie besetzten bereits Boote, Parkbänke, ja ganze Hafenteile. April ist ein ausserordentlich spannender Monat zur Beobachtung nistender Albatrosse. Der Tierporno erreicht seinen Höhepunkt, als die Vögel unter schnatterndem Applaus des gefiederten Publikums zum Partnertausch aufrufen. Elegant eilen die Männchen im Sturzflug auf ihre Artgenossinnen. Der Sand der besuchten Strände ist weich wie frische Baumwolle und beinahe so weiss wie die dicken Wattewolken über uns, das Wasser glitzert abwechslungsweise türkis und marinblau. Wellen preschen wuchtig an die gehärtete Lava. Farbintensive Sonnenuntergänge vollenden die Tage auf hoher See.

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Das Zuckerschlecken wurde aber auch ergänzt durch eine plagende Magenrotation und Benzingeruch zum Einschlafen. Akupressur könnte da Abhilfe schaffen, sofern man den „Nei-Kuan-Punkt“, den Meridian an den Handgelenken, findet und mittels Druckpunktarmband stimuliert. Könnte! Mein Qi lässt sich anscheinend nicht so leicht beeinflussen. Zum Glück hatte ich eine Krankenschwester an Bord, deren Wunderpillen meine brodelnde Seekrankheit schlussendlich besiegte.

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