Surreales Hochland, Trockene Wüsten und schwer erreichbare Naturschätze. Mentale Vorbereitung auf etwas Stadt-Exil. Mit einem weinenden Auge verlassen Dave, Julien und ich Valparaíso. Wir besuchen Pisco Elqui im Herz von chiles Oase, dem Valle del Elqui. Hier werden fleissig Trauben für Pisco und Wein angebaut. Die mintgrünen Anbauflächen werden rundum von Kakteen überschwemmten Hügeln gebannt, aber auch von bitterer Trockenheit. Seit sieben Jahren fällt hier kaum Regen. Ein herber Schlag für vielen Menschen, ist der Anbau der Trauben doch elementar für ihr Einkommen. Ein Campensino erzählt mir, dass er vor Jahren schon aufgeben musste und präsentiert mir das Rinnsal, dass noch aus seinem Wasserschlauch trudelt. Der Staat hilft dem Pensionär. Wie viele Chilenen vor ihm jammert er doch zurecht über die rund 150 Dollar Monatsrente, die kaum für die Fixkosten reichen.

Die fünf Prozent Luftfeuchtigkeit birgt jedoch auch Positives. Das Valle del Elqui hat weltweit den klarsten Himmel, zitiert die Marketingabeilung von Chile Tourismus. Kein Astronome zweifelt daran. Da leider nur Wissenschaftler durch das Huble Teleskop schauen dürfen, besuchen wir das höher gelegene Sternenobservatorium nahe Pisco Elqui. Das Openair Kino hat an diesem Abend viel zu bieten. Zu sehen ist der Platzhirsch unseres Sonnensystems, Jupiter mit einigen seiner über 20 Monde. Nebelschleier deuten auf zwei entfernte Galaxien. Ein Arm der Milchstrasse ist erkennbar, auch Sirius mischt mit und fällt durch sein extremes Glühen auf (der Stern ist 25 mal grösser als unsere Sonne aber viel weiter weg). Durch das Teleskop zoomen wir ein Sternenkneuel heran, es zählt Millionen von jungen Sternen mit enormer Leuchtkraft. Ein schwarzer Methangas-Nebel rundet die Show ab. Wie viele Sterne bleiben uns aufgrund der erheblichen Luft- und Lichtverschmutzung verborgen. Ich denke an Zeiten fernweg von Industrie und Moderne, wo Sterne noch Seefahrer geleitet und bei den Incas gar TV ersetzt haben.

Zur Bildgalerie von Pisco Elqui

Der Parque Nacional Tres Cruses in der Region Atacama (das Dach Amerikas) ist unser nächstes Highlight. Der Park bietet seinen wenigen Besuchern eine spektakuläre Wüstenlandschaft, Salzseen, Flamingoschwärme und farbenfrohe Gebiergsketten – sofern man ihn findet.

Wir mieten für diesen viertägigen Road Trip ein 4×4 Monster und decken uns mit genügend Essen ein. Ausgangsort für den Park ist die Stadt Copiapó. Die Tage sind warm, die Nächte eisig kalt. Sandstürme fegen. Stille herrscht. Einige spartanisch eingerichtete und ungeheizte Refugios bieten die einzige Zuflucht innerhalb des Parks. Ich schlafe in meiner Kleidung inklusive Kappe, eingelullt in zwei Schlafsäcke und friere trotzdem. Die 4’800 Meter Höhe macht vor allem meinen Travelbuddies Dave und Julien zu schaffen. Die Höhenkrankheit sei ungefähr so als ob das Gehirn durch die Augenhöle entwischen will. Wer gerne Gipfel stürmt, ist hier goldrichtig. Viele 6000er tummeln sich in dieser Gegend.

Ich lerne anhand dem Sternbild „Southern Cross“ (nur in der südlichen Hemisphäre) die Himmelsrichtungen zu deuten und hoffe gleichzeitig dieses Wissen nie anwenden zu müssen. Wir kreuzen pro Tag höchstens zwei, drei andere Parkbesucher und geniessen es, das Landschaftskalaidoskop für uns allein zu haben, vernab vom Tourismus. Eine Eskorte begleitet uns durch die hiesigen Goldminen wieder nach draussen.

Zur Bildgalerie vom Nationalpark Tres Cruces

2 Kommentare

  1. Hoi Claudio
    So wie es scheint, gniesst du die Zeit in vollen Zügen und auch dein neuer Look steht dir gut 🙂
    Ich liebe es deine Berichte zu lesen, dabei komme ich immer ins träumen und würde am liebsten auch meinen Rucksack packen. Wünsche dir weiterhin eine schöne Reise. Freue mich schon auf die nächsten Fotos und Berichte. Liebe Grüsse Sara

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    1. Hey Sara

      Wow, danke für das Kompliment. Ich freue mich riesig, dass dir die Berichte gefallen und hoffe natürlich, dass einer deiner nächsten Reisen nach Chile führt. Ich muss gestehen, dass ich mich in dieses Land so richtig verliebt habe. Hängt wohl auch mit all den coolen Leuten und Abenteuern zusammen 🙂

      Ja ja, der neue Look – Ich bin einfach zu faul geworden und lasse die Haare spriessen. Mal schauen wie Gaby das sieht;-)

      Lieber Gruss aus Iquique
      Claudio

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