Tägliches Getöse, Trends, Produktevielfalt, Kaffee aus Kaffeemaschinen, Polizeisirenen, U-Bahn, Musik, Kultur, verrücktes Grosstadtleben. Ich freue mich darauf. Bienvenido en Santiago! Vor 10’000 Jahren wurde hier bereits gejagt und gesammelt. Für die Inkas war dies dann ein wichtiger Knotenpunkt ihres Strassennetzes. Auch viele Mapuche lebten hier. 1541 kamen die Spanier und unterdrückten beide Völker. Vor ca. 200 Jahren wurde in Santiago die Unabhängigkeitserklärung Chiles von den Spaniern unterzeichnet. Die rasche Industrialisierung nach dem zweiten Weltkrieg brachte viele Arbeitsplätze und schürte die Landflucht, dennoch gab es zu wenig Arbeit für alle. Weitläufige Slums entstanden. Santiago ist stets Mittelpunkt des Geschehens. Hier fand der Putsch gegen Allende statt. Hier ging die Diktatur wieder in Demokratie über. Hier entscheidet Bachelet gerade über das weitere Vorgehen. Hier wüten die Finanzhaie. Hier entsteht gerade das höchste Haus Südamerikas. Hier wird studiert, hart gearbeitet aber auch wild gefeiert.

Wer sich für die turbulenten Jahre von Chile interessiert, sollte das faszinierende Geschichtsmuseum „Museo de la Memoría y los Derechos Humanos“ besuchen. Die digitalen Filmarchive sind bis an den Rand gefüllt und nur hier zugänglich. Mit Freude stelle ich fest, dass sich in Chile viele Tante-Emma-Läden täglich gegen die grossen Supermärkte stämmen. Auch in Santiago sind sie fixer Bestandteil täglicher (Kl)einkäufe.

Ich habe das Taj-Mahal unter den Hostels gebucht. Das Happy House trägt dem Namen alle Ehre. Ich freue mich jeden Tag hierhin zurückzukehren, am Pool zu chillen, mit Leuten aus aller Welt zu kochen und bis frühmorgens zu debattieren. Wein fliesst in Strömen. Eine edler Tropfen ist für drei bis fünf Dollar zu haben. Dass der junge chilenische Besitzer auch auf Parov Stelar steht und einigen Auserwählten nachts die Türe zu seiner kleinen Untergrundbar öffnet, rundet den Aufenthalt in Santiago ab. Zu meinen Lieblingsvierteln gehören das Barrio Lastarria, dass eine Vielzahl kleine Restaurants und Läden bietet. Auch das Barrio Italia mit seiner kultigen Restaurantszene gefällt und zu guter letzt das Barrio Brasil, überflutet von Bars, Sonntagsmärkten und Strassenkunst. Die Highlights der kreativen Gastroszene sind das „La Lavadoura Frances“ im Barrio Central. Ein Antiquariat, dass zu einem Restaurant umgeformt wurde. Speziell und alternativ zeigt sich das Recyclingcafé „el jardín“ im Barrio Italia. Wo man mit Ameisen sein Essen teilt, da das Essen auf einem Rasenbeet serviert wird.

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Mit Dave aus Adelaide ziehe ich für einige Tage weiter nach Valparaíso. Valpo war einmal die florierendste Stadt am Pazifik. Vor ca. 100 Jahren verschlungen die Trümmer eines Erdbebens innert Sekunden über 3’000 Menschen. Viele gingen für immer fort. Die Eröffnung des Panamakanals einige Jahre später schnürte Valparaíso dann entgültig die ökonomische Luft ab. Heute ist Valpo die Kultur- und Szenestadt Chiles. Bunt, laut und trendy. Ein Ort mit Charakter.

Kaum ein Haus ist der geschüttelten Sprühfarbe hiesiger und weitgereister Artisten entgangen. Hier ist es gesetzlich erlaubt alle möglichen Wände zu bemalen oder zu besprühen. Das hält die Künstlerlaune hoch und macht Valparaíso zum Epizentrum der Graffiti-Kultur. Das emsige Treiben in der Hafenstadt ist bezaubernd, die Märkte rustikal. Die typisch spanische Städteplanung war hier schwierig umzusetzen. Steile Gassen schlängeln bergauf um gleich wieder hinunterzufinden. Winzige Drahtbahnen erschliessen die Hügel und brachial konstruierte Häuser kämpfen gegen Wind und Wetter. Bouillon wird im Supermarkt erst auf Bedarf dem verschlossenen Schrank entnommen, viele Langfinger machen die Gegend unsicher. Ich schlemme die besten Barbecues seit Monaten, neben einem schweizer Sackmesser sollte man immer einen Australier dabei haben. Dank ihm, Julien, dem begnadeten Gitarristen aus Frankreich, der intensiven Stimme von John Lennon (alias Carl) und vielen anderen Weltenbummler finde ich während meinem Aufenthalt in Valpo kaum Schlaf. Zu viele Ereignisse überschatten die

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Nachtrag April 2014 – Valparaíso steht in Flammen – das Feuer raubt über 11’000 Einwohnern ihre ärmliche Behausung!

In Indien wird jährlich das farbenfrohe Holi Festival gefeiert, wo jeder mit Farbpulver schmeisst und die Umgebung in ein buntes Farbenmeer taucht. Wer den weiten Weg nach Indien nicht auf sich nehmen will, der kann nun warten bis der Color Run in die eigene Stadt kommt. Fünf Kilometer spazieren oder rennen, Farbpulver schlucken oder werfen, ein Spass für die ganze Familie. Und für uns.

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